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Ein Förderverein für die Staatliche Bibliothek - Wozu?

Förderer und Freunde der Staatlichen Bibliothek Neuburg? Brauchen wir das?
Freunde, ja. Aber Förderer?
Braucht die Staatliche Bibliothek wirklich Förderung und Hilfe?

Die Bibliothek macht doch kein Geheimnis daraus, dass sie in einem städtischen Gebäude untergebracht ist und ihr dafür keine Kosten entstehen. Und doch sucht die Bibliothek über einen Förderverein Hilfe in der Öffentlichkeit. Warum?

Nun - blickt die Bibliothek über die Grenzen des täglichen Routinebetriebs hinaus, so steht sie vor Problemen, zu deren Bewältigung, sofern Geld überhaupt Abhilfe schaffen kann, staatliche Mittel nicht oder nur sehr spärlich fließen. Vom Freistaat Bayern erhielt sie vergangenes Jahr nur etwas mehr als 40.000 Euro. Gut die Hälfte wurde für den Erwerb von Büchern, Zeitschriften und anderen Medien ausgeben. Für bestandserhaltende Maßnahmen standen nur knapp 2.000 Euro zur Verfügung. Wegen weiterer Haushaltssperren durch den Freistaat (insgesamt zur Zeit 22 Prozent) stehen im laufenden Jahr nur noch gut 34.000 Euro zur Verfügung. Davon müssen voraussichtlich über 6.000 Euro als Personalmittel eingesetzt werden, um eine Wiederbesetzungssperre von 4,5 Monaten zu überbrücken.

Das Personal ist mit 2 Planstellen extrem knapp bemessen. Personaleinsparungsmaßnahmen des Freistaates gefährden immer wieder den Fortbestand der Bibliothek.

Bedeutung der Bibliothek

Ein Kulturgut, das es zu erhalten gilt ...

Die Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau (SBND) verdankt ihre Existenz wie andere staatliche Regionalbibliotheken in Bayern dem einschneidenden Ereignis der Säkularisation. Am 28. April 1803 wurde sie als Provinzialbibliothek gegründet für Schulen und Verwaltung der aus dem Fürstentum Pfalz-Neuburg hervorgegangenen Provinz Neuburg. Zur Aufstellung der aus den säkularisierten Klöstern zugewiesenen Buchbestände erhielt sie die wertvolle intarsiengeschmückte Regaleinrichtung des Zisterzienserklosters Kaisheim. Dieses Ensemble zählt zu den bedeutendsten Kulturgütern in Stadt und Region Neuburg.

... mit wertvollen Beständen ...

Den Grundstock der Bibliothek bildeten die Bestände folgender Klöster: Kaisheim (Zisterzienser), Obermedlingen (Dominikaner), Maria Mödingen (Dominikanerinnen) sowie Ober- und Niederaltaich, Pielenhofen, Dietramszell und Raitenhaslach. Hinzu kamen die „vierten Dubletten" der in die Hofbibliothek München gelangten Klosterbestände. 1822 erhielt die Bibliothek noch die Bestände des bereits 1773 mit der Aufhebung des Ordens aufgelösten Jesuitenkollegs Neuburg. Aus dieser Sammlung stammen auch Restbestände der Neuburger Hofbibliothek, darunter 26 wertvolle Ottheinrich-Bände, einige Drucke von Ottheinrichs Reformationsdrucker Hans Kilian sowie die Bestände des Gymnasium Illustre zu Lauingen. Zu letzteren gehört als wichtiger Sonderbestand die Bibliothek des Humanisten Hieronymus Wolf, die sog. Bibliotheca Wolfiana (B.W.) mit 1.241 Titeln in 647 Bänden. Auch Teile der ehemaligen ständischen oder Landschaftsbibliothek (Bibliothek der Neuburger Stände), die 1803/04 aufgelöst wurde, fanden Eingang in die Bibliothek.

... die leider recht heterogen zusammengesetzt sind ...

Seit Gründung der Bibliothek konnte wegen fehlender Mittel kein kontinuierlicher Bestandsaufbau gepflegt werden. Rund 180 Jahre unterlag die Erwerbung mehr oder weniger den persönlichen Vorlieben der Bibliotheksleiter, die über viele Jahrzehnte keine bibliothekarischen Fachkräfte waren. Die Buchproduktion des 19. und 20. Jahrhunderts ist deshalb in der SBND unterdurchschnittlich repräsentiert und dazu sehr heterogen zusammengesetzt. Etwas verbessert wird die Situation durch die in den vergangenen Jahren initiierten Kooperationen mit Neuburger Institutionen, die ihre Bibliotheksbestände zusammen mit der SBND in einer gemeinsamen Datenbasis erschließen und für die Öffentlichkeit verfügbar machen.

... dank Förderer jedoch heute mit regionalen Publikationen ergänzt werden.

Der aktuelle Zuwachs beschränkt sich auf das für eine Regionalbibliothek typische Sammelgebiet: Publikationen aus und über die Region (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Altlandkreise, Pfalz-Neuburg) mit dem Ziel, diese für künftige Generationen zu erschließen und zu bewahren. Ferner werden die für die Informationsvermittlung unerlässlichen Nachschlagewerke, welche über Fernleihe nicht beschaffbar sind, angeschafft und im Präsenzbestand des Lesesaals freihand zugänglich gemacht.

Die SBND ist mit über 53.000 Bänden – besonders wegen der ca. 35.000 vom Beginn des Buchdrucks bis 1900 erschienenen – eine über die Region hinaus bedeutende Adresse für die historische Quellenforschung. Sie ist aber weitaus mehr.

Herausforderungen

Die Zukunftsfähigkeit der Bibliothek erschöpft sich nicht allein in der Fortführung ihres Druckschriftenbestandes. Das geschärfte Leistungsprofil der SBND ist insbesondere geprägt durch die Beschaffung am Ort nicht vorhandener Literatur über Fernleihe sowie die Vermittlung von Informationen jeglicher Art. Sie ist somit hochinteressant als Partner für Wirtschaft, Industrie und Handel. Das Problem: Noch ist es nicht gelungen, diese Rolle überall dort, wo das Wissen darum wichtig und nützlich wäre, ausreichend bekannt zu machen.

Um sich im Wettbewerb mit anderen, zumeist größeren Hochschulbibliotheken in der Region behaupten zu können, muss die SBND deshalb künftig – besonders im Bereich der digitalen Medien und der Datenverarbeitung – zu den initiativen und innovativen Bibliotheken Bayerns gehören. Auf dem weltweiten Informationsmarkt kämpft aber eine längst nicht mehr zu überschauende Vielzahl von Konkurrenten erbittert um Anteile. Will die SBND ihren Rang und ihre Existenzberechtigung behaupten, muss sie sich auf diesem Markt immer wieder neu positionieren. Sie kann das nur, wenn die Öffentlichkeit den Stellenwert einer funktionierenden Regionalbibliothek richtig einzuschätzen weiß und bereit ist, sich für die Bibliothek angemessen zu engagieren.

Fazit

Alles in allem sind die Gegenwarts- und Zukunftsprobleme der Bibliothek zu groß und zu umfassend, als dass ihre Lösung vom "Staat" allein erwartet werden könnte. In einer Zeit wachsender Aufgaben auf dem Bibliotheks- und Informationssektor und sinkender Etats braucht die Bibliothek nach dem Modell der in angelsächsischen Ländern erprobten Public-Private-Partnership Hilfe auch von "privater" Seite. Nur mit privater Hilfe wird es möglich sein, die herausragende Doppelrolle der SBND als überregional bedeutendes Kulturmuseum und für die Region unverzichtbares Informationszentrum erfolgreich fortzuführen.